Europa im 17. Jahrhundert

Europa im 17. Jahrhundert

Wo Reisen noch Wochen gedauert haben...

Rettung aus dem Mittelmeer

Falls Detlef von Rumohr auf Candia in Gefangenschaft geraten war muss es 1665 gewesen sei.

Nach der Lösegeldverhandlung mit den Türken (Osmanen) muss wohl ein Bote über Land nach Kappeln gesandt worden sein. Reisedauer ca. 1,5 bis 2 Monate. Schiffe fuhren derzeit dort kaum im Verkehr mit Nordeuropa, da die Handelsbeziehungen nicht in dem Umfang vorhanden waren und wegen der Kriegs und Kapergefahr. Selbst wenn ein Bote mit einem Schiff von Kreta nach z.B. Kopenhagen gesegelt wäre, hätte es auch so lange gedauert.

Nach Eintreffen des Boten in Kappeln und des Zusammentragens des Lösegeldes (Summe leider nicht bekannt) musste noch das Geld für eine Schiffspassage (sicher in gleicher Höhe) aufgebracht werden. Da Schiffe in der Größenordnung in Kappeln nicht vorhanden waren, mussten sich die betreffenden Leute um entsprechende Einheiten bemühen. Nach Auslaufen der Hanse war in Lübeck mit Sicherheit kein geeignetes Schiff vorhanden, da man sich dort auch auf den Ostseehandel eingerichtet hatte. Kiel war zu der Zeit als Hafen noch nicht vorhanden.

Der nächste in Frage kommende Hafen war dann Kopenhagen. Dort, gab es Fregatten und Galeonen bei der 1616 gegründeten Dänischen-Ostindien Kompanie und der Dänischen-Afrika-Guinea-Kompanie, wie auch bei der 1653 gegründeten Dänischen-Westindien-Kompanie. Da diese aber in dem sogenannten "Dreieckshandel" (Schnaps, billige Tuche, Glaswaren und später auch Flinten nach Afrika-Sklaven von Afrika nach Westindien (Karibik) Zucker, Rum und Baumwolle nach Europa) in festen Linienverkehr (so weit es 1665/67 so etwas gab) beschäftigt waren, musste versucht werden ein derartiges Schiff für eine Reise ins Mittelmeer und zurück zu chartern, mit sicher erheblichen Kosten.

Vor der möglichen Ausreise von Kopenhagen müssen seit der Ankunft des Boten in Kappeln bestimmt 2 bis 3 Monate verstrichen sein. Es ist wahrscheinlich, dass die beiden Schiffer aus Kappeln‚ Hans Thiess und Jan Gerth mit ihrem kleinen Schiff das Lösegeld und die Passagekosten nach Kopenhagen gebracht haben und dann mit dem größeren Schiff als "überbringer" nach Kreta gesegelt sind. Die Reisedauer bei Abgang im Spätsommer/Herbst von Kopenhagen nach Kreta muss ‚ wegen der überwiegenden westlichen Starkwinde/Stürme in der Nordsee und im Nordatlantik, wie auch ein Aufenthalt auf dem Azoren um Proviant und Frischwasser zu übernehmen, 2 bis 3 Monate gedauert haben.

Falls dann die übergabe, Lösegeld gegen von Rumohr, ohne große Verzögerung vor sich gegangen ist und das Schiff wieder mit Frischwasser und Proviant versorgt worden ist, wird die Rückreise nicht vor Dezember angetreten worden sein um dann nach 2 bis 3 Monaten wieder in Kopenhagen einzulaufen. Es ist möglich, dass von Rumohr dann mit dem in Kopenhagen liegenden Schiff von Thiess und Gerth nach Kappeln gesegelt ist und wenn kein Eis in der Ostsee/Schlei das Einlaufen in die Schlei verhindert hat im März/April 1666 wieder in Kappeln an Land gehen konnte.

Es kann auch alles wesentlich länger gedauert haben. Im November 1666 konnte von Rumohr dann ja aber schon eine Klage gegen die Kappler Bürger vor dem Gericht vorbringen.

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